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Planspiel "Kakaohandel"

Ziel und Inhalt des Planspiels


Dieses Planspiel soll die Spielenden dazu anregen, sich ein Bild über die Situation des konventionellen und des fairen Handels mit Kakao zu machen. Dabei ergeben sich entlang der Produktionskette von Kakao unterschiedliche Rollen.
Durch das Spiel erhalten die Teilnehmer_innen einen Einblick in die Strukturen des konventionellen Handels und dessen Auswirkungen für die meisten Kakaobauern auf der Welt.
Die Spielenden sollen sich in die Lebenslage der Bauern einfühlen, um so ihre Situation und Abhängigkeit zu verstehen. Durch das Einfühlen und Erleben soll eine Veränderung der eigenen Sichtweise in Bezug auf bestehende Ungerechtigkeiten in der Handelspolitik herbeigeführt werden.
Parallel wird der Faire Handel durchgespielt. Dabei soll sichtbar werden, welche Vorteile und Sicherheiten diese Form des Handels für die Bauern bringt.
Das eigene Erleben wird am Ende des Spiels nochmals aufgegriffen, ausgewertet und reflektiert.

Wer spielt mit ?

 

Die konventionellen Bauern aus Afrika, Lateinamerika und Asien bewirtschaften relativ kleine Flächen und bauen ihren Kakao zum Großteil in traditionellen Mischkulturen an. Sie haben meistens nur ihre eigene Arbeitskraft und die ihrer Familie. Sie sind darauf angewiesen, sofort Gewinn zu erwirtschaften, um ihre Existenz zu sichern. Sie sind abhängig vom global festgelegten Kakaopreis.

Denn Kakao wird an der Börse gehandelt und die Bauern haben keinen  Einfluss auf die Börsenpreise. Bleibt dennoch Geld übrig, so können sie versuchen, die einzelnen Ziele, die sich aus den jeweiligen Rollenbeschreibungen ergeben, zu erreichen. Das ist zum Beispiel der Besuch einer weiterführenden Schule für die Kinder oder die Renovierung des eigenen Hauses.


Die Plantagenbesitzer des konventionellen Handels bewirtschaften große Flächen. Sie bauen ihren Kakao meist in Monokulturen an und setzen dabei häufig Pestizide ein. Sie sind daran interessiert, möglichst viel Gewinn aus der Kakaoplantage zu holen. Sie sind ebenfalls vom Kakaopreis abhängig, können ihren Gewinn aber auch über das Lohnniveau der Arbeiter regulieren. Durch die große Menge an Kakaobäumen haben sie meist höhere Chancen, Gewinne zu erwirtschaften. Allerdings wirken sich Monokultur und Pestizid-Einsatz negativ auf die Fruchtbarkeit des  Bodens aus, der nach ein paar Jahren völlig ausgelaugt ist. Somit sind die Plantagenbesitzer gezwungen, immer mehr Land zu kaufen, um neue Plantagen anzulegen. Je mehr Gewinn sie erwirtschaften, desto mehr Land können sie kaufen, um die Erträge zu halten oder zu steigern.

Die Zwischenhändler kaufen den Kakao bei den Bauern und Plantagenbesitzern und verkaufen ihre Ware zu einem siebenfachen Preis an die schokoladeherstellenden Unternehmen weiter. Die Geschäfte mit Kakao an der Börse sind sehr attraktiv. So übersteigt der Wert des gehandelten Kakaos den tatsächlichen Warenwert häufig um das 14fache. Nutznießer sind jedoch nicht die Bauern sondern die Zwischenhändler und die Schokoladenindustrie.

Außerdem gibt es die Vertreter der Großkonzerne, die den Kakao von den Zwischenhändlern kaufen, um ihn in den Industrieländern weiter zu verarbeiten. Die Großkonzerne – in diesem Fall Nestlé, Barry Callebaut und Ferrero  –   haben gewissermaßen eine Monopolstellung auf dem Markt. Ihr Interesse ist es, möglichst viel Kakao zu kaufen, wenn er gerade »billig« ist. Sie warten also die Preisentwicklung ab und nehmen dann Kontakt zu ihren Zwischenhändlern auf. Die Vertreter haben ein bestimmtes Soll im Jahr zu erfüllen und auch nur einen bestimmten Betrag, den sie ausgeben dürfen. Gelingt es ihnen, weniger auszugeben, so dürfen sie auf saftige Prämien hoffen, die ihnen von ihrem Konzern zukommen.

Die Bauern aus Fairem Handel bewirtschaften relativ kleine Flächen. Da sie aber den Kakaokooperativen für Fairen Handel angehören, haben sie den Vorteil, dass sie für den abgelieferten Kakao immer einen garantierten Mindestpreis bekommen. Das heißt, sie sind nicht in dem Maße vom Börsenpreis abhängig wie die konventionellen Bauern.


Die Fair-Handels-Organisationen verhandeln direkt mit der Kooperative. Dadurch wird ausbeuterischer Zwischenhandel ausgeschlossen. Die Kooperation geschieht nach partnerschaftlichen Prinzipien wie z. B. langfristige Handelsbeziehungen und Möglichkeiten der Vorfinanzierung, die den Kakaobauern Planungssicherheit bieten. Die festgelegten Preise, die der Faire Handel zahlt, sichern den Kleinbauern ein ausreichendes Einkommen und tragen zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen bei.